Das Home Office in der Arbeitswelt 2.0

11.06.2021

Die letzten Monate haben den Arbeitsplatz in seiner klassischen Form rasant verändert: Wo es umsetzbar ist, werden berufliche Aktivitäten ins Home Office verlegt. Das hat die Digitalisierung in sämtlichen Branchen enorm nach vorn gepusht. 

Vor allem Arbeitgeber im Bürobereich sehen sich vor der Aufgabe, das Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter wesentlich umzustellen. Es müssen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden, um für jeden Arbeitnehmer gleiche Bedingungen zu schaffen und die Kommunikation innerhalb des Unternehmens aufrechtzuerhalten und gewährleisten zu können.  

Home Office gewinnt zunehmend an Bedeutung

25 % der berufstätigen Bevölkerung arbeitet während der Pandemie im Home Office - das ermittelte der Digitalverband Bitkom bei dem “Bitkom Research 2020”. Das bedeutet, dass 10,5 Mio. Arbeitnehmer vollständig von Zuhause aus arbeiten können, ca. 20 % (entspricht 8,3 Mio.) arbeiten zumindest teilweise in den eigenen vier Wänden.

Im drastischen Vergleich waren es ganze 3 % der Arbeitnehmer in Deutschland, welche vor der Pandemie bereits von Zuhause aus arbeiten konnten, und immerhin 15 % anteilig im Unternehmen selbst und anteilig Zuhause.

In dem Research wagte Bitkom außerdem die Prognose, dass 8 % nach der Pandemie vollständig von Zuhause aus arbeiten werden, und wiederum 27 % zumindest teilweise.

Laut der Umfrage bestätigen Berufstätige überwiegend positive Erfahrungen mit Home Office machen zu können, und dass sie hoffen, auch nach der Pandemie flexible Arbeitsmodelle weiterführen zu können.

Potenzial für Home Office ist gegeben

74 % der Berufstätigen sehen auch weiterhin Potenzial im Modell Home Office, denn es bringt nicht nur Flexibilität für den Arbeitnehmer selbst mit sich, sondern habe noch einige weitere Vorteile vorzuweisen: Sind die Arbeitnehmer, wo es möglich und umsetzbar ist, im Home Office tätig, könnte der Verkehr - gerade in den größeren Städten Deutschlands - reduziert werden und die Umwelt sowie das Klima würde dadurch eine Entlastung erfahren.

Damit ist die These, Home Office für ein besseres Klima , aufgestellt, doch wie sieht es in Anbetracht des eigentlichen Anlasses für mehr Home Office aus?

Nur ungefähr 52 % fordern eines Bestehen des Home Office, solange auch die Pandemie besteht, während die andere Hälfte wiederum das scheinbar anders sieht. 

Dabei schätzen rund 23 % der Berufstätigen ihre Produktivität Zuhause höher ein als im Büro, und 22 % geben an, dass die Arbeitszeit sogar teilweise die im Büro insgesamt übersteigt.

Jeder Fünfte (ca. 19 %) schätzt dabei seine Zufriedenheit hinsichtlich der Arbeit höher ein.

Unterm Strich steht und fällt eine Auslagerung ins Home Office mit den Gegebenheiten bei dem einzelnen Arbeitnehmer Zuhause sowie im Unternehmen selbst.

Es muss technisch als auch räumlich umsetzbar sein und der Mitarbeiter muss die Möglichkeit haben, Berufliches und Privates dennoch strikt zu trennen. Alles Andere führt nur zu sinkender Produktivität und weniger Zufriedenheit. 

Vorteile durch Home Office überwiegen 

Gelingt das Management von Beruf im eigenen Zuhause, sind wesentliche Vorteile nicht von der Hand zu weisen. Nachfolgend finden sich die am meisten genannten Vorteile durch Arbeitnehmer bei dem Research:

Wegfall des Arbeitsweges / Weniger Stress: 80 %

Zeitgewinn: 76 %

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: 59 %

Zeitliche Flexibilität: 43 %

Gesundheitsbewusster Lebensstil (Ernährung & Sport): 32 %

Reduzierung von Störungen im Arbeitsumfeld: 28 %

Dennoch war besonders die Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem sowie die Umsetzung vonseiten der Arbeitgeber häufig ursächlich für eher nachteilige Aspekte des Home Office:

Weniger Kontakt zu Kollegen: 55 %

Weniger Kontakt zu Vorgesetzten: 20 %

Schwierigkeiten bei Abgrenzung von Beruf und Privatleben: 21 %

Schlechtere Arbeitsbedingungen: 21 %

Fehlende Informationen: 17 %

Zusammenfassend stehen dennoch lediglich 4 % derer, die Home Office nichts abgewinnen können, 19 % gegenüber, welche ausschließlich Positives über die Arbeit im Zuhause berichten können.

Home Office als Dauerlösung?

Ganz klar lässt sich sagen, dass Veränderungen in den Unternehmen hin zu einer zunehmenden Digitalisierung nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann.

Die betriebliche Digitalisierung ist einer Prozess, welcher durch die Pandemie definitiv enorm angekurbelt wurde, jedoch so manch Veränderungen nur bedingt beschleunigen kann.

Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber benötigen gewisse Voraussetzungen, um die Arbeit ins Home Office effizient auslagern zu können. Inwiefern das möglich ist, und vor allem wie schnell, hängt wohl von jedem Unternehmen und von jedem Mitarbeiter ab. 

Technische Voraussetzungen müssen geschaffen werden, sei es hinsichtlich der notwendigen Hardware, Sicherheitsvorkehrungen hinsichtlich verwendeter Software oder des Internets, was während der Arbeit benötigt wird. 

Auch die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander und innerhalb des Unternehmens muss gewährleistet werden können. 

Inwiefern ist es nötig, eine gewisse Präsenzkultur in den Unternehmen aufrechtzuerhalten? Ist der fehlende tägliche Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten schlichtweg Gewöhnungssache? Wie gut lässt sich dieser Mangel möglicherweise durch regelmäßige Video- und Telefonkonferenzen ausgleichen?

Oder ist hier ein allgemeiner Wechsel aus Heim- und Büroarbeit sinnvoll?

Viele Fragen und Rahmenbedingungen, die es nun im Laufe der Zeit zu klären gilt.

Kostenübernahme und staatliche Förderung

Natürlich kommt im Zuge dieser Debatte auch irgendwann die Frage auf, wer welche Kosten tragen sollte und inwiefern steuerlich Anreize geschaffen werden sollte.

Die meisten der mit Home Office “betroffenen” Arbeitnehmer mussten sich erst einmal vernünftige Gegebenheiten schaffen, um nun erstmal dauerhaft von Zuhause aus arbeiten zu können.

59 % finden, dass der Staat hier ganz klar steuerlich fördern sollte. Schließlich sollten neben den pandemie-bedingten Maßnahmen wie die Reduzierung sozialer Kontakte auch darüber hinaus zukünftig ein Rückgang verkehrsbedingter Emissionen unterstützt werden. 

Langfristige Lösungen erwünscht

Denken wir einmal über das Andauern der Pandemie hinaus, so sollte man diese zum Anlass nehmen, unternehmensinterne Vorgänge langfristig zu überdenken.

Natürlich ist die Digitalisierung von Branche zu Branche unterschiedlich vorangeschritten, unabhängig davon sollte man neue Formen der Arbeit und Strukturen in Betracht ziehen.

Meetings und Besprechungen können deutlich kürzer und effizienter gestaltet werden, wenn nicht für jeden Teilnehmer ein persönliches Erscheinen nötig ist, sondern sich Jeder via Skype, Zoom, Teamviewer oder anderen Anbietern dazuschalten kann.

Gerade auch bei einer großflächigen Ansiedlung eines Unternehmens, vielleicht sogar über Ländergrenzen hinweg, können so deutlich kostengünstigere, weniger zeit- und aufwandsintensivere Wege gefunden werden.