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Gender Pay Gap: Warum Frauen weniger verdienen

Seit einigen Jahren geht es in der Lohn- und Tarifpolitik immer wieder um die geschlechtsspezifische Entgeltungleichheit von Mann und Frau. Nach wie vor besteht hier intensiver Handlungsbedarf und die Maßnahmen, diese Ungleichheit abzubauen, nehmen zu. 

Weniger Geld bei gleicher Qualifikation oder Berufserfahrung bedeutet das für die Frauen - und das im 21. Jahrhundert. Elternzeit, Familie unter einen Hut bekommen oder Teilzeitjobs sind unter anderem Gründe, die genannt werden, warum in Deutschland Frauen weniger verdienen als Männer. Und das, obwohl Frauen oftmals die besseren Schul- und Studienabschlüsse vorweisen können als die männlichen Kollegen!


Gender Pay Gap - Warum Frauen weniger verdienen

Frauen verdienen weniger als Männer - der Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap ist ein Anliegen des Equal Pay Days, der dieses Jahr am 07.03. - also einen Tag vor dem internationalen Weltfrauentag - gefeiert wurde. Der Equal Pay Day beschreibt, dass Frauen nach wie vor weniger verdienen als Männer - und das nicht nur durchschnittlich, sondern auch in denselben Berufen und bei gleichen Voraussetzungen. 

Bis zum 07.03.2022 mussten Frauen arbeiten gehen, um auf das gleiche Jahreseinkommen für 2021 zu kommen wie Männer. Der Equal Pay Day macht damit den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst von Frauen und Männern aufmerksam und steht symbolisch für den Tag, bis zu dem Frauen im Jahr umsonst arbeiten.

Einer Berechnung des Statistischen Bundesamt zufolge hat sich der Gender Pay Gap im Vergleich zum Vorjahr mit 18 % nicht verändert. Das Bundesamt berechnete, dass Frauen mit einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 19,12 € somit 4,08 € weniger verdienen als Männer mit einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 23,20 €.

Gründe für den Gender Pay Gap

Der Hauptgrund für den Einkommensunterschied von Frauen und Männern liegt mit 71 % daran, dass Frauen häufiger in Berufen oder Branchen arbeiten, die schlechter bezahlt sind und in denen sie keine Führungspositionen einnehmen.

Ein weiterer Grund für den Gender Pay Gap ist, dass Frauen häufiger als Männer in Teilzeit oder Minijobs arbeiten.

Die Ursachen für ein geringeres Einkommen bei Frauen laufen fast alle beim Rollenbild in der Familie zusammen. Kann man nach der Geburt des Kindes noch arbeiten gehen und wenn ja, zu welchen Arbeitszeiten? Den Job, der den eigenen Qualifikationen gerecht wird und der es trotzdem ermöglicht, die Kinder pünktlich vom Kindergarten oder der Schule abzuholen, gilt es erst mal zu finden. Familie und gleichzeitig Karriere machen erfordert ein hohes Maß an Koordination oder an Zurückstecken vonseiten eines Elternteils - und das ist meistens die Frau. 

Anlässlich des Equal Pay Days werden die Stimmen nach mehr Lohntransparenz immer lauter. Das soll zumindest unter anderem als Mittel gegen die Gehaltsdiskriminierung gegenüber der Frau eingesetzt werden. 

Die Lohnlücke lässt sich nur schließen, wenn zukünftig eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet werden kann.

6 Gründe, warum Frauen weniger verdienen als Männer

1. Frauen treffen eine familienfreundliche Berufswahl

Da die Familienplanung und die Erziehung der Kinder vorrangig an den Frauen hängen bleibt, wählen Frauen dementsprechend häufig Berufe, die beispielsweise auch in Teilzeit möglich sind. Anders ist das Familienleben kaum unter einen Hut zu bekommen und somit verdienen Frauen mit Familie bzw. Kindern auch häufig weniger als Frauen ohne Kinder. Männer mit Kindern verdienen hingegen meistens sogar mehr. Rund 47 % der in Deutschland arbeitstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit.


2. Frauen haben andere Ziele in der Berufswahl

Frauen haben oft andere berufliche Ziele als Männer, so sind Frauen beispielsweise ein gutes Gehalt oder Aufstiegschancen weniger wichtiger als Männern. Frauen legen häufig Wert auf andere Aspekte im Job wie beispielsweise auf ein gutes Betriebsklima oder moderne Werte und Philosophien. Männer dagegen sind eher daran interessiert, dass das Gehalt ihren Qualifikationen entspricht oder Karrieremöglichkeiten gegeben sind. 

Den steilen Weg nach oben auf der Karriereleiter streben weitaus weniger Frauen als Männer an, während gerade einmal jede vierte Frau ihre Karriere vorantreiben will, steht im Gegensatz zu jedem zweiten Mann. 

Laut einer Befragung des Bildungspiegels sind rund 70 % der Arbeitnehmerinnen zufrieden auf ihrer aktuellen Position.

3. Frauen sind weniger in MINT-Berufen vertreten

MINT ist eine Zusammenfassung aus Berufen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - und hier sind Frauen meistens deutlich seltener anzutreffen als Männer. 

Oft wird damit argumentiert, dass sich Frauen weniger für diese Bereiche interessieren, tatsächlich ist es eher so, dass sich Frauen in diesen Fächern schlechter einschätzen als Männer. Berufe in der Informatik, der Technik, der Mathematik und den Naturwissenschaften sind jedoch sehr gefragt und auch dementsprechend gut bezahlt!


4. Bescheidenheit - Frauen sind mit weniger Gehalt zufrieden

Studien haben ergeben, dass sich Frauen oft davor scheuen, Lohnforderungen zu stellen und entsprechend ihrer Qualifikation oder Berufserfahrung zu verhandeln. Der Anteil wird jedoch immer weniger, denn mittlerweile 38 % der Frauen fragen regelmäßig nach  einer Gehaltserhöhung - im Gegensatz dazu stehen die Männer mit 42 %.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erzielte mit einer Befragung von 10.000 Haushalten das Ergebnis, dass Frauen generell auch mit weniger Gehalt zufrieden sind als Männer. Während Männer häufig mit konkreten Gehaltsvorstellungen in das Gespräch gehen, fragen Frauen hingegen, was man ihnen denn anbieten könnte. 

5. Frauen nehmen seltener berufliche Weiterbildungen in Anspruch

Um beruflich weiterzukommen und sich damit Karrieremöglichkeiten zu sichern und auch mehr Gehalt, sind Weiterbildungen ein gutes Mittel. Nicht nur bei der Frage nach mehr Gehalt, sondern auch bei Weiterbildungen werden Frauen häufig vom Arbeitgeber benachteiligt. Demnach müssen Frauen häufiger als Männer ihre Weiterbildungen selbst finanzieren, weshalb für 71 % der Frauen die Kosten ein Hauptgrund sind, warum sie gar nicht erst nach Weiterbildungsmaßnahmen fragen. Das kommt besonders häufig während oder nach der Elternzeit vor.

6. Vorurteile machen es den Frauen schwer

Frauen eilt meistens das Vorurteil voraus, dass sie früher oder später der Familienplanung nachkommen und Kinder bekommen möchten. Arbeitgeber gehen also oft davon aus, dass Frauen als Arbeitnehmer irgendwann deswegen ausfallen werden. Häufig nehmen aber gerade weil sie weniger verdienen, auch die Frauen die Elternzeit in Anspruch und gehen danach in Teilzeit arbeiten, weil sie geringer verdienen als beispielsweise der Mann. 

Es kommt nur selten vor, dass im Anschluss an den Familienzuwachs der Mann in Teilzeit arbeitet, weil die Frau so Karriere machen kann. 

Was tun gegen den Gender Pay Gap? Was Frauen daran ändern können

Die Berufswahl ist leider sehr dafür ausschlaggebend, dass Frauen die Möglichkeit haben, mehr zu verdienen. Beispielsweise die MINT-Berufe versprechen bessere Gehaltschancen, da es männerdominierte Berufen sind. 

Je größer ein Unternehmen ist, desto geringer ist meistens auch der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern. Ebenso Unternehmen mit betrieblicher Mitbestimmung versprechen geringere Lohnunterschiede. Lohnunterschiede können auch durch Frauen selbst reduziert werden, indem beispielsweise Ausfallzeiten wie die Elternzeit gleichmäßiger auf beide Elternteile verteilt werden. 

Die Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West bestehen in Deutschland zwar immer noch, in Ostdeutschland ist der Gender Pay Gap jedoch am geringsten. 

Frauen im Osten verdienen jedoch weniger als Frauen im Westen.

Die Politik sollte die Gehälter offen legen. Dänemark machte es bereits vor einigen Jahren vor: Dort trat 2007 der “Equal Pay Act” in Kraft, bei dem Unternehmen mit mehr als 25 Arbeitnehmern und mindestens 10 Mitarbeitern des jeweiligen Geschlechts alle Gehälter offenlegen müssen. Durch dieses Gesetz ist der Gender Pay Gap immerhin um 7 % gesunken, denn Unternehmen, die davon betroffen waren, zahlten den Arbeitnehmerinnen größere Gehaltserhöhungen als Unternehmen, die nicht zu Transparenz verpflichtet wurden. 

Unternehmen dürfen die Augen nicht verschließen und sollten sich langfristig für Gender Equality einsetzen. Das macht sie zu modernen und attraktiven Arbeitgebern und bringt damit auch wirtschaftliche Vorteile mit sich.

Die Arbeitnehmerinnen selbst sollten Initiative ergreifen und die Dinge in die eigene Hand nehmen: Mit der Forderung nach entsprechenden Gehaltsanpassungen oder -erhöhungen lassen Sie nichts unversucht und sollte der Vorgesetzte dem nicht nachkommen, bleibt immer noch der Gang zum Betriebsrat

Fazit

Die Gründe für die immer noch anhaltenden Lohnunterschiede liegen schon über ein Jahrhundert zurück: Im Deutschen Kaiserreich sahen die Gesetze aber auch die Gesellschaft vor, dass der Mann der Alleinverdiener in der Familie ist. Frauen engagierten sich bis zur Heirat meist in sozialen Berufen ohne großartige Karriereperspektiven. Bis heute halten diese geschlechterabhängigen Lohnunterschiede an und nicht selten kommt es vor, dass genau dieses Bild der Geschlechterrollen dafür verantwortlich ist.

Generell sollten sich Frauen zunehmend dazu ermutigt fühlen, für ihren eigenen Wert einzustehen und sich entsprechend ihrer Qualifikationen und Berufserfahrung auch ihr Gehalt einzufordern. Wer seinen eigenen Wert kennt und diesen selbstbewusst beim Arbeitgeber vertreten kann, kann auch eher mit einem höheren Gehalt rechnen. In der heutigen Zeit sollte keine Frau mehr glauben, dass Führungspositionen ausschließlich Männern und dass Berufe in der Informatik oder Technik vorbehalten sind. Der Gender Pay Gap kann zwar durch anhaltende Maßnahmen immer weiter minimiert werden, schlussendlich können die oben genannten Gründe aber auch von den Frauen selbst beeinflusst werden.

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