Zwischen Beruf und Berufung

07.05.2021

Was ein Beruf ist, weiß eigentlich nahezu Jeder.

Ein Beruf ist, meist erlernte, Arbeit oder Tätigkeit, welcher man regelmäßig nachgeht und womit man sein Geld verdient. 

Für die Berufung wiederum gibt es keine wirklich eindeutige Definition, im Zusammenhang zum Beruf versteht man es als eine Art innere Bestimmung, quasi eine Leidenschaft. So weit, so gut.

Wer sich also zu etwas berufen fühlt, fühlt sich dafür bestimmt. 

Man übt eine Tätigkeit nicht vorrangig des Geldes wegen aus, sondern aus Leidenschaft und Passion.

Und hier beginnt wahrscheinlich die große Kunst: Kann man einen Beruf zur Berufung machen? Und wenn ja, wie funktioniert das?

Gibt es dafür überhaupt ein “Rezept”?

Warum tun nicht viel mehr Menschen etwas aus Berufung?

Viele Menschen erlernen in Deutschland nach dem Schulabschluss einen Beruf oder beginnen ein Studium. 

Dabei geht es vorrangig um das Ziel, diesen Ausbildungsberuf oder dieses Studium zu absolvieren und mit einem entsprechenden Berufsabschluss abzuschließen.

Anschließend beginnen die Meisten, in der Berufswelt Fuß zu fassen.

Der erste Job wird angetreten und es werden Berufserfahrungen gesammelt.

Dem Einen geht es dabei mehr darum, ob er seine Tätigkeit mit Freude ausübt, Andere wiederum streben nach einem beruflichen Aufstieg und wollen “Karriere machen”.

Arbeit mit Qualität

Doch die Arbeit spielt im Leben der meisten Menschen nicht nur die Rolle der Absicherung des Lebensunterhaltes: Ein Großteil des Tages wird von vielen Menschen am Arbeitsplatz verbracht. Arbeit steht damit noch vor Familie und Privatleben, vor Freunden und Freizeit. 

Um sich selbst also Zufriedenheit und Lebensqualität zu sichern, ist ein guter Job für viele Menschen wichtig. 

Ist ein Mitarbeiter zufrieden, ist er automatisch leistungsfähiger und motivierter. Das hat auch für den Arbeitgeber einen Mehrwert. 

Worauf legen Arbeitnehmer beruflich Wert?

Als wichtiger Schlüsselfaktor bei der Arbeitgeberwahl zählen für 59 % vorrangig attraktives Gehalt und Sozialleistungen, so hieß es zumindest im Zuge der Studie “Randstad Employer Brand Research” von 2019. Befragt wurden 6312 Arbeitnehmer wie auch Arbeitssuchende zwischen 18 und 65 Jahren. 

An zweiter Stelle mit 58 % steht die Arbeitsplatzsicherheit, mit 52 % liegt eine angenehme Arbeitsatmosphäre knapp dahinter. 

Vervollständigt werden die 5 Top Kriterien mit 43 % Flexibilität und 38 % finanzielle Stabilität. 

Zum Zeitpunkt dieser Studie zeichnete sich jedoch bereits ab, dass Mitarbeiter wohl auch immer mehr Wert auf Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, flexibles arbeiten und eine Work Life Balance legen. Jetzt im Jahr 2021 sind gerade diese Kriterien in aller Munde.

Was wiegt mehr - finanzielle Sicherheit oder beruflicher Segen?

Diese Frage ist wahrscheinlich schwer zu beantworten. Generell legt jeder Mensch auf andere Aspekte Wert - dem Einen ist eine finanzielle Absicherung wichtig, während der Andere wiederum sagt, er will Zufriedenheit im Job verspüren und stellt das Gehalt hinten an.

Viele Arbeitnehmer in Deutschland haben mindestens eine Weiterbildung hinter sich - meistens auch beruflicher Natur.

Als Hauptgrund für eine berufliche Weiterbildung gaben in einer Umfrage von 2011 (Leider gibt es keine aktuellere Version der Umfrage) 80 % der Befragten mehr Kompetenz und Sicherheit im Beruf an. 

Gleichauf sind mit 62 % mehr Selbstbewusstsein und Zufriedenheit, finanzielle Vorteile kommt gerade mal auf knapp die Hälfte mit 34 %

Diese Weiterbildungen sollen also dafür sorgen, dass man beruflich ankommt und nach Möglichkeit einen Beruf ausübt, welcher Sicherheit, aber auch Zufriedenheit gewährleisten kann. 

Ungefähr 60 % in Deutschland haben in Ihrem Arbeitsleben schon ein bis fünf mal ihren Arbeitgeber gewechselt. 

Generationswechsel bringt neue berufliche Werte mit sich

Gerade der heutigen Generation ist es wichtig, Beruf und Privatleben miteinander vereinen zu können und den Beruf nicht vorrangig zur Existenzsicherung auszuüben. Es ist heute durchaus üblich, dass der Arbeitgeber mehrfach gewechselt wird und es eben einige Anläufe bedarf, bis man den Passenden gefunden hat. 

Auch ist es längst nicht mehr Gang und Gebe, mehrere Jahrzehnte für ein und denselben Arbeitgeber tätig zu sein - ein Ablauf, welcher bei früheren Generationen strikter durchgezogen wurde. 

Das wird mittlerweile auch längst nicht mehr so verbissen gesehen, vielmehr kann man Arbeitgeberwechsel in Maßen unter “Erfahrungen sammeln” verbuchen. Und so ist die Wahrscheinlichkeit auch deutlich höher, aus dem Beruf eine Berufung zu machen. 

Steht nicht der finanzielle Aspekt im Vordergrund, würden viele Menschen womöglich ganz anderen Tätigkeiten nachgehen - das stelle ich einfach mal so in den Raum. 

Würde es nicht ums “Geld verdienen” gehen, würde vielleicht der Anlagenmechatroniker statt im 3-Schicht-System zu arbeiten täglich mehrere Stunden Grünanlagen pflegen und bepflanzen - einfach, weil es ihm Spaß macht und nicht, weil es das große Geld bringt. Wer weiß das schon?

Tatsächlich bedarf es in Deutschland in dieser Hinsicht noch einige Reform.

Work Life Balance, 6-Stunden-Arbeitstag, Vertrauensarbeitszeit - unzählige dieser Themen kursieren im Netz und regen Diskussionen sowie den ein oder anderen Denkanstoß an. 

Am Ende des Tages steht Jedem die Berufswahl frei, genauso wie es Jedem frei steht, ob er Beruf oder Berufung nachgehen möchte.