Gehaltsvorstellung in der Bewerbung formulieren - Jobwechsel oder Berufseinstieg erfolgreich starten

21.04.2022

Gehaltsvorstellung in der Bewerbung formulieren

Ob bei einem Jobwechsel oder Berufseinstieg, im Zuge Ihrer Bewerbung müssen Sie oft Ihre Gehaltsvorstellung angeben und formulieren. Etlichen Bewerbern fällt dies oft schwer, da Sie entweder ihren eigenen Marktwert nicht kennen oder nicht wissen, wie sie den Gehaltswunsch formulieren sollen.

Das Dilemma dabei ist: Wird bei dem Gehaltswunsch zu hoch gepokert, kann man sich schnell ins Aus manövrieren. Wer ein zu geringes Gehalt ansetzt, bekommt oftmals nicht das, was sie oder er verdient.

Die Gehaltsvorstellung in der Bewerbung überzeugend zu formulieren ist nicht einfach.

Doch wie geht man am besten vor? Welche Stolpersteine gibt es? Wir wollen Ihnen mit diesem Artikel Tipps und Tricks zur Verfügung stellen. Diese sollen Ihnen dabei helfen, das passende Gehalt in Erfahrung zu bringen und in Ihrer Bewerbung die ideale Formulierung zu verwenden.

Inhaltsverzeichnis

Warum sollten Sie eine Gehaltsvorstellung angeben?

Gehaltsvorstellung angeben oder nicht?

Wie finde ich heraus, was ein realistischer Gehaltswunsch ist?

Wie gebe ich mein Wunschgehalt am besten an – brutto oder netto?

Wie formulieren Sie die Gehaltsvorstellung in Ihrer Bewerbung am besten?

Stolperfallen, welche es zu vermeiden gilt

Warum sollten Sie eine Gehaltsvorstellung angeben?

Es gibt nicht die eine Antwort auf diese Frage. Die Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung kann je nach vorliegen der Situation für den Erfolg Ihrer Bewerbung beitragen. Personaler können beispielsweise folgende Schlussfolgerungen aus Ihrem Gehaltswunsch schließen:

  • Geben Bewerber eine Gehaltsvorstellung ab, ist ersichtlich, ob er sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat. Anhand einer guten Recherche im Internet lässt sich nämlich schnell herausfiltern, welches Gehalt je nach Branche, Unternehmensgröße und Bundesland üblich ist.

  • Wie schätzt sich der Bewerber selbst ein? Wird eine Gehaltsangabe leicht über den Durchschnitt genannt, kann davon ausgegangen werden, dass der Bewerber von sich überzeugt ist. Wird das Wunschgehalt jedoch zu hoch angesetzt, so kann dies als pokern interpretiert werden. Dies kommt in dieser Phase der Bewerbung oftmals nicht gut an. Eine Gehaltsangabe unter dem dem Durchschnitt vermittelt ein mangelndes Selbstwertgefühl.

  • Wenn der Bewerber keine Gehaltsvorstellung angibt, obwohl diese verlangt wurde, könnten sich die Recruiter fragen, ob das Stelleninserat eventuell nicht sorgfältig gelesen wurde. Oder aber auch, ob der Aufforderung, das Gehalt zu nennen, bewusst nicht gefolgt wurde. Wenn keine Gehaltsangabe gemacht wird, obwohl diese gefordert wurde, kann dies bereits zu einer Absage führen.

Hinweis: Während des Vorstellungsgesprächs können Recruiter deine Gehaltsvorstellung zum Gesprächsthema machen. Personaler sehen dies oft als Test, indem sie die Standhaftigkeit und das Verhandlungsgeschick des Bewerbers überprüfen.

Gehaltsvorstellung angeben oder nicht?

Werden Sie in der Stellenanzeige aufgefordert, eine Gehaltsangabe zu nennen, so sollten Sie dies auch tun. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie auf die Variante der Gehaltsspanne zurückgreifen. Sie müssen kein Wunschgehalt angeben, wenn in der Stellenausschreibung keine Aufforderung dazu enthalten ist.

Allerdings sollten Sie sich darauf vorbereiten, dass Ihnen die Frage nach Ihrer Gehaltsvorstellung im Zuge Ihres Vorstellungsgesprächs gestellt wird. Sofern Sie der Meinung sind, dass Sie für das Unternehmen „zu teuer” sind, sollten Sie Ihren Gehaltswunsch auch ohne Aufforderung in Ihrer Bewerbung vermerken.

Recruiter haben so die Möglichkeit, bereits im Vorhinein zu entscheiden, ob eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch sinnvoll ist oder nicht.

Wie finde ich heraus, was ein realistischer Gehaltswunsch ist?

Ihre Gehaltsvorstellung hängt natürlich nicht nur davon ab, was Sie sich ersehnen. Sie sollten sich die Frage stellen, ob Sie das Gehalt bezahlt bekommen, welches Sie wert sind. Doch wie kommen Sie zu einer realistischen Gehaltsvorstellung? Folgende Kriterien können Ihnen bei der Entscheidung auf alle Fälle behilflich sein.

  1. Tauschen Sie sich mit Kollegen, Bekannten und auch Freunden aus. Wie hoch ist das Gehalt von anderen Mitarbeitern in dieser Position und Branche?

  2. Recherchieren Sie nach vergleichbaren Positionen und sehen Sie sich das vom Unternehmen ausgeschriebene Mindestgehalt an. Bei manchen Stellenausschreibungen werden Sie durchaus Gehaltsangaben finden und können so Ihr Wunschgehalt gegenüberstellen.

  3. Sind Sie bereits in der Branche tätig und möchten die Position wechseln? Sollte dies der Fall sein, dann ist eine Gehaltserhöhung von 10% auf alle Fälle realistisch.

  4. Haben Sie eine Ausbildung oder eine Zusatzqualifikation? Wenn ja, dann könnte dies zu einer Wertsteigerung beitragen.

  5. Wo befindet sich Ihre Schmerzgrenze, welche Sie auf keinen Fall unterschreiten wollen?


Für die Ermittlung des durchschnittlichen Gehalts können Sie auch spezialisierte Internetseiten nutzen, wie etwa die der Bundesagentur für Arbeit. Dort finden Sie immer einen aktuellen „Entgeltatlas”.

Gewerkschaften und Berufsverbände geben außerdem Auskunft über die üblichen Gehälter in den jeweiligen Branchen. Wenn Sie Zeitung lesen, ist Ihnen sicher schon aufgefallen, dass es auch dort immer mehr Artikel zu den Gehaltsstrukturen für die unterschiedlichsten Berufe gibt. Befassen Sie sich, bevor Sie Ihre Bewerbung schreiben, unbedingt mit den erwähnten Punkten und recherchieren Sie im Internet.

Wie gebe ich mein Wunschgehalt am besten an – brutto oder netto?

In der Arbeitswelt ist es üblich, Gehaltsangaben brutto anzugeben, im besten Fall sogar das Jahresbruttogehalt. Führen Sie in Ihrer Bewerbung keine Benefits oder Zusatzleistungen wie etwa Fahrtkostenzuschüsse und Prämien an.

Sie könnten bei den Personalern als kleinlich rüberkommen. Nicht selten fragen sich Bewerber auch, ob sie ihr aktuelles Gehalt anführen sollen. Conrad Pramböck, der Gehaltsexperte, rät davon ab.

Sowohl der Personaler als auch der Bewerber wollen beide vorteilhaft für sich selbst verhandeln. Nennen Sie ihr aktuelles Gehalt, kennen die Recruiter die Basis, von welcher aus Sie sich verbessern wollen. Liegt Ihr Wunschgehalt für die neue Position deutlich über Ihrem derzeitigen Einkommen, schwächt dies Ihre Verhandlungsposition. Ihrem Gegenüber wird dann bewusst, dass Sie offensichtlich auch für deutlich weniger aktiv werden.

Wie formulieren Sie die Gehaltsvorstellung in Ihrer Bewerbung am besten?

Bei Ihrer Bewerbung können Sie entweder eine Bandbreite angeben z.B. „zwischen 35.000 und 39.000 Euro brutto pro Jahr” oder Sie bekunden einen Fixbetrag. Eine Bandbreite signalisiert dem Unternehmen eine größere Verhandlungsbereitschaft. Sie sollten Ihren Gehaltswunsch außerdem am Ende des Anschreibens angeben.

Für die Formulierung einer Gehaltsangabe gibt es unterschiedliche Zugänge:

  • Einfach und klar: "Meine Gehaltsvorstellung befindet sich bei 42.000 Euro brutto pro Jahr."

  • Stichhaltig: "Aufgrund meiner Ausbildung und Qualifikationen befindet sich meine Gehaltsvorstellung bei 39.000 Euro brutto pro Jahr."

  • Hinweisend: "Meinen Qualifikationen entsprechend empfinde ich ein Gehalt in Höhe von 41.000 Euro brutto pro Jahr als angemessen."

  • Bedacht: "Meine Gehaltsvorstellung befindet sich zwischen 33.000 und 38.000 Euro brutto pro Jahr. Weitere Einzelheiten möchte ich gerne in einem persönlichen Gespräch klären."

Die Art und Weise, wie Sie Ihre Gehaltsvorstellung formulieren, hängt auch vom Tonfall Ihrer kompletten Bewerbung ab. Auch wie Sie vorhaben sich zu präsentieren, ist ein ausschlaggebendes Kriterium.

Besondere Situationen

Eine Formulierung des Wunschgehaltes kann, je nach Bewerbersituation weitere Aspekte beinhalten. Haben Sie beispielsweise bereits viel Berufserfahrung, können Sie Ihren Gehaltswunsch durch Ihre langjährige Erfahrung und aufgebauten Qualifikationen begründen. 

Ein Beispiel für eine Formulierung, wenn Sie bereits Berufserfahrung vorweisen können, lautet wie folgt:

Aufgrund meiner beruflichen Qualifikationen und Verantwortung in meiner derzeitigen Position bei dem Unternehmen XY, liegt meine Gehaltsvorstellung bei 45.000 Euro brutto pro Jahr.

Bewerben Sie sich für eine Teilzeit-Beschäftigung, können Sie unter anderem folgende Formulierung für Ihren Gehaltswunsch in Erwägung ziehen:

Ich stehe Ihnen gerne mit einem Jahresgehalt von 21.000 Euro brutto pro Jahr bei einem Arbeitspensum von 18 Stunden pro Woche zur Verfügung.

Bei Praktikumsplätzen werden die Gehälter in der Regel bereits vorab vom Unternehmen festgelegt. Praktika mit maximal drei Monaten müssen nicht entgeltlich abgegolten werden. Wenn die Dauer des Praktikums drei Monate überschreitet, steht Praktikanten ein Mindestlohn zu.

Jedoch nur dann, wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt. Handelt es sich bei Ihnen um ein Pflichtpraktikum, dann vermerken Sie dies auf alle Fälle in Ihrer Bewerbung.

Eine beispielhafte Formulierung könnte wie folgt aussehen:

Im Zeitraum vom TT.MM.JJJJ bis zum TT.MM.JJJJ stehe ich Ihnen für ein viermonatiges, vergütetes Praktikum sehr gerne zur Verfügung.

Alle soeben angeführten Formulierungen sind geeignete Argumente, mit welchen Sie Ihre Gehaltsvorstellung bei Ihrem persönlichen Gespräch legitimieren können. Zeigen Sie den Personalern, dass Sie sich über die üblichen Gehälter der Branche informiert haben.

Wie bereits erwähnt, müssen Sie auf die Frage „Wie viel verdienen Sie derzeit?” nicht direkt antworten. Versuchen Sie stattdessen elegant darauf zu verweisen, dass Sie Ihr derzeitiges Gehalt nicht preisgeben wollen. Wie etwa „Unterhalten wir uns lieber über meine Gehaltsvorstellungen für diese Position”. Diese Aussage wirkt beispielsweise freundlicher als „Ich bin der Meinung, mein derzeitiges Gehalt muss ich Ihnen nicht nennen”.

Rechtfertigung der Gehaltsvorstellung im Bewerbungsschreiben

Bewerber denken oft, sie müssen ihre Gehaltsvorstellung in ihrer Bewerbung rechtfertigen. Es ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit sicher, dass Ihr gewünschtes „Gehalt” während Ihrem Vorstellungsgespräch zum Thema wird und Sie Ihre Angaben begründen müssen. Ihr Bewerbungsschreiben selbst ist jedoch nicht dafür gedacht.

Stolperfallen, welche es zu vermeiden gilt:

  • Geben Sie keine unrealistischen Summen an, dies kann zur Folge haben, dass Sie gleich aussortiert werden.

  • Geben Sie keinen zu niedrigen Gehaltswunsch an. Dies kann ebenso zum „exit” Ihrer Bewerbung führen, da Ihre Berufserfahrung und/oder Branchenkenntnis infrage gestellt werden können.

  • Bei einer Gehaltsvorstellung handelt es sich um keine Gehaltsverhandlung. Sie stellt lediglich die Verhandlungsbasis dar. Bereiten Sie sich argumentativ auf die Verhandlung vor.

  • Ihr zukünftiges Gehalt sollte nicht der wichtigste Grund für Ihren Jobwechsel sein. Geld allein macht nicht glücklich.

  • Es kann durchaus passieren, dass Ihnen während des Vorstellungsgesprächs ein Gehaltsangebot gemacht wird. Eine gute Vorbereitung hilft Ihnen dabei, passend zu reagieren.

Wie Sie sehen, ist die Frage im Stelleninserat nach Ihrer Gehaltsvorstellung mit der richtigen Formulierung und etwas Recherche kein großes Hindernis.